Tu was du willst

„Tu was du willst“ steht auf der Rückseite des Amuletts Auryn, das Bastian von der Kindlichen Kaiserin verliehen bekommt, nachdem er in Phantásien angekommen ist. Die Kindliche Kaiserin überlässt ihm das Kleinod mit der Bemerkung, aus seinen Wünschen werde Phantásien neu entstehen. Je mehr Wünsche er habe, desto besser. 
Graógraman weist Bastian darauf hin, dass er sich in Phantásien mit der Kraft seiner Wünsche fortbewegen könne. Als Bastian dies später seinem Freund Atréju gegenüber äußert, ist dieser skeptisch. Denn Atréju hat zu diesem Zeitpunkt bereits verstanden, dass Bastian mit jedem erfüllten Wunsch auch ein Stück Erinnerung verloren geht. Er gibt zu bedenken: „Es (Auryn) gibt dir den Weg und nimmt dir gleichzeitig das Ziel.“ (S. 308)
Denn nicht oberflächliche Bedürfnisse sind es, wozu der Spruch auf Auryns Rückseite auffordert. Wer die Aufforderung Auryns missversteht, endet schließlich in der Alte Kaiser Stadt. Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen oberflächlichen Bedürfnissen und wahren Wünschen. Bastians Schwierigkeiten, aus Phantásien zurückzukehren kommen nicht daher, daß keine Wünsche mehr übrig wären, sondern daher, daß er aufhört zu wünschen, weil er vergessen hat, was er wirklich will.
Der Wille ist die eigentliche treibende Kraft in Phantásien – am besten verkörpert in den Binsenbooten der Yskálnari, die von der reinen Vorstellung angetrieben werden. Ohne ihn findet man nicht wieder aus dem Land ohne Grenzen heraus. Die große Suche ist also die nach dem wahren Willen. Aus diesem entsteht Phantásien – mit unendlichen Möglichkeiten. Am Ende der Geschichte muss Bastian zu den „Wassern des Lebens“: dem wahren Herzen Phantásiens und zugleich zu den Ursprüngen der wahren Wünsche, in sein Herz.
Michael Ende ist immer wieder gefragt worden, ob er einer Sekte anhänge, die sich „Tu was du willst“ als Maxime auf ihre Fahnen geschrieben habe. Er selbst hat in verschiedenen Briefen an seine Leser erklärt, welches seine literarischen Vorbilder für die Inschrift in Auryn waren: 
„Tu was du willst“ ist die Ordensregel der säkularen Abtei Thélème in F. Rabelais’ Gargantua und Pantagruel. In einem Brief an eine Leserin (2.4. 84) schreibt Michael Ende, dass er das Motiv direkt aus Gargantua und Pantagruel von Rabelais übernommen hat. Ende schreibt, Rabelais habe die Maxime nach Augustinus’ Ausspruch „Liebe Gott und tu was du willst“ gebildet. Später tauche sie auch bei dem Okkultisten Aleister Crowley (1875 bis 1947) auf. Bei Crowley heißt das Motiv: „Do what thou wilt“ auf, der sie ebenfalls von Rabelais übernommen habe. Ende verwendet dieses Motiv auch in seiner Zauberschule:
„1. Du kannst nur wirklich wünschen, was du für möglich hältst.
2. Du kannst nur das für möglich halten, was zu deiner Geschichte gehört.
3. Nur das gehört zu deiner Geschichte, was du in Wahrheit wünschst.“